Grüne Fraktion in Herford gegen Abschaffung des Baumkatasters und der Baumschutzsatzung

Anträge der AFD und der CDU / FDP sind ein Angriff auf das Klima!

Die grüne Ratsfraktion Herford weist den AfD-Antrag auf Abschaffung des Herforder Baumkatas­ters und der CD und FDP auf Abschaffung der Baumschutzsatzung entschieden zurück und be­zeichnet ihn als Angriff auf Klima, Artenvielfalt und Lebens­qualität in unserer Stadt.

Herford ist schon heute waldarm

Der Kreis Herford gehört zu den waldärmsten Kreisen in ganz Nordrhein‑Westfalen: Nur rund 7,6–8,3% der Fläche sind Wald, während andere Kreise auf über 50% kommen. Wer in so einer Situati­on den ohnehin schwachen Baumbestand in der Stadt weiter zur Disposition stellt, handelt fahrläs­sig und gegen jedes verantwortbare Verständnis von Daseinsvorsorge.

Warum das Baumkataster nötig ist

Vorneweg: Das Baumkataster erfüllt gesetzliche Vorgaben, die die Stadt Herford zwingend einhal­ten muss. Das Baumkataster regelt, welche Bäume unter welchen Bedingungen ge­pflegt und oder gefällt werden dürfen – teilweise auf privaten wie auf öffentlichen Flächen. Die AfD forderte, die­ses Baumkataster abzuschaffen – also ohne alternative Schutzmechanismen, ohne Ausgleichsrege­lungen, ohne Konzept, gegen das Gesetz. CDU und FDP ziehen mit der Absicht zu Abschaffung der Bauschutzsatzung in gleicher Weise negativ nach. Eine solche Politik nach dem Motto „Sägen erst, nachdenken vielleicht später“ werden wir nicht hinnehmen. Die gesetzliche Pflicht zur Führung des Baumkatasters auch wegen Versicherungsfragen hat die AFD wohl dazu bewo­gen, ihren Antrag auf Abschaffung zurück zu ziehen. Doch CDU und FDP zielen auf das gleiche Ergebnis, die Gefährdung und Vernichtung unserer Umwelt durch Kahlschlag.

Warum die Baumschutzsatzung wichtig ist

Die Baumschutzsatzung als Regelwerk und in seiner Folge das Baumkataster als Registratur sind da­mit einige der wenigen wirksamen Instrumente, um alte, ökologisch wertvolle Stadtbäume nicht der Beliebigkeit einzelner Interessen zu überlassen. Auch mit einer Baumschutzsatzung ist die Fäl­lung von großen Bäumen möglich, jedoch nur mit einer entsprechenden Begründung und nach einem vorgegebenen Prüf-Verfahren, das willkürlichen Kahlschlag verhindert. Ohne Baumschutzsat­zung wird mehr gefällt als nötig und viel mehr als ökologisch verträglich. Einen Zu­sammenhang zwischen dem Schutz alter Bäume und der Verhinderung von Bautätigkeiten, Woh­nungsbeschaffung, Wachstum etc. herzustellen, ist unredlich. In der Folge müssen wir doch alle wesentlich mehr zahlen für die offensichtlichen Folgeschäden der Klimakatastrophe. Den Klimanot­stand in Her­ford auszurufen, ist billig – alle möglichen Schritte dagegen zu unternehmen, ist Pflicht, gerade mit dem umfassenden Schutz alter Bäume.

​Die Herforder Politik muss zusammenstehen und entsprechende Anträge ablehnen, wenn es um die Abschaffung von Baumschutzsatzungen geht, wie in Bielefeld zum 17. Februar 2026 umgesetzt.

Klima- und Artenschutz in der Innenstadt

Große Stadtbäume sind unsere natürlichste Klimaanlage: Sie spenden Schatten, kühlen aufgeheizte Straßenräume, filtern Schadstoffe und mildern Hitzewellen, die in versiegelten Innenstädten be­sonders gefährlich sind. Zugleich bieten sie Lebensraum für Vögel, Insekten und Fledermäuse und sind Rückgrat der urbanen Artenvielfalt – gerade in einem Kreis, in dem der Waldanteil ohnehin dramatisch niedrig ist.

Wer Baumschutzsatzungen abschaffen will, verschärft:

  • Hitzebelastung für ältere Menschen, Kinder und Kranke in der Innenstadt.
  • ​Verlust von Brut- und Nahrungsstätten für zahlreiche Arten.
  • ​Versiegelung und Aufheizung von Quartieren, statt sie klimagerecht zu entwickeln.
  • ​Konkrete Fällpläne: Museum und Bergertor-Wehr

Die aktuelle Planung zeigt, was auf dem Spiel steht:
Am Bergertor-Wehr sollen im Zuge der Umgestaltung insgesamt rund 35 Bäume fallen, obwohl Kli­makrise und Artenschutz eine maximale Schonung des Bestands gebieten. Selbst der BUND fordert hier zu Recht, jede einzelne Fällung zu hinterfragen und die Planung zu überarbeiten.

​Auch am Städtischen Museum werden Bäume zur Disposition gestellt, weil für den neuen Park und eine geplante Mauer gewachsene Bäume „im Weg“ sind. Statt den Plan anzupassen, sollen Jahr­zehnte gewachsener Klimaschutz einfach abgesägt werden – obwohl ein Baum mehr als 30 Jahre braucht, um diese Größe und ökologische Leistung zu erreichen.

​Dazu sagen wir als Grüne:

„Es ist vollkommen absurd, mitten in der Klimakrise dutzende gesunde Bäume am Ber­gertor und am Museum zu fällen, nur damit Planungen nicht angefasst werden müs­sen. Eine Zeichnung auf Papier ist in wenigen Wochen geändert – ein Stadtbaum braucht Jahrzehnte. Wer hier ernsthaft die Baumschutzsatzung abschaffen will, zeigt, dass ihm das Klima in Herford und die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger egal sind.“

Bereits laufende Aktionen pro und contra Bäume

Während Umweltverbände wie der BUND öffentlich gegen die geplanten Fällungen am Bergertor protestieren und eine Überarbeitung der Pläne verlangen, gibt es seit Jahren politischen Druck, den Baumschutz zu schwächen oder abzuschaffen. Die Baumschutzsatzung wird als „Bürokratie“ und Eingriff ins Eigentum diffamiert – mit dem gleichen Argumentationsmuster, das nun auch die AfD bedient.

Die grüne Fraktion hingegen unterstützt Initiativen zum Erhalt der Bäume am Bergertor und am Museum ausdrücklich und fordert:

  • Überarbeitung der Planungen zum Erhalt der vorhandenen Bäume.
  • Stärkung statt Abschaffung der Baumschutzsatzung.
  • Ein stadtweites Konzept zur Aufwertung des ohnehin geringen Baumbestands im Kreis Her­ford.

Wer in einem der waldärmsten Kreise NRWs ernsthaft eine Abschaffung der Baumschutzsatzung fordert, stellt sich gegen Klimaschutz, Artenschutz und das Interesse der Menschen in dieser Stadt.

Claudia Schumacher
Claudio Vendramin