Energiewende

Unabhängig von Kohle, Gas und Diktatoren – Mona Neubaur zu Gast auf dem Reesberg

Kreis Herford. Die GRÜNEN im Kreis Herford haben mit Mona
Neubaur, grüne Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Mai, die
Freiflächen-Photovoltaik-Anlage auf der Deponie Reesberg in Kirchlengern besucht und
über die Energiewende diskutiert.

Andrea Haack, grüne Landtagskandidatin für den Wahlkreis 91, zu dem auch
Kirchlengern gehört, freut sich, endlich dieses Vorbild für Photovoltaik im Kreis kennenzulernen. Und dass sie noch viele Fläche kenne, die auf Photovoltaik warteten, vor allem auf Industriebauten.

Ingo Ellermann und Fabian Stoffel vom Aufsichtsrat der Friedensfördernden Energiegenossenschaft FEGH stellen das Konzept der Genossenschaft und die Besonderheiten der Anlage kurz vor.

Die FEGH, die sich 2011 nach der Fukushima-Katastrophe gründete, war aus der Anti-Atom- und der Friedensbewegung hervorgegangen und hatte von Anfang an zum Ziel, eine regionale, von
Krisen unabhängige und ökologische Energiegewinnung zu starten, die den Bürger*innen gehört – nie schien das so wichtig wie jetzt. „Man wird keine Kriege um Sonne und Wind führen,“ fasst Ellermann das Thema mit Blick auf den Krieg in der Ukraine zusammen. Um seine Klimaschutzziele zu erreichen, arbeitet der Kreis Herford mit der FEGH zusammen, die die Anlage auf dem geschlossenen Teil der Deponie 2021 in Betrieb nehmen konnte.

„Wir müssen uns unabhängig machen von Diktatoren“

Mona Neubaur

Mona Neubaur räumt ein, „dass jetzt in kürzester Zeit die Erneuerbaren Energien – ein urgrünes Thema – ambitioniert ausgebaut werden müssen und wir dafür auch die nötige Fläche brauchen. Wir müssen raus aus der Versorgung mit Kohle, Öl und Gas und uns unabhängig machen von Diktatoren. Jede neue Solaranlage, jedes neue Windrad sind ein wichtiger Schritt aus dieser Abhängigkeit.“  Jetzt brauche es vor allem Schnelligkeit.



Die FEGH hat inzwischen im Kreis Herford 12 Anlagen in Betrieb, von denen die auf dem Reesberg mit 750 Kilowatt-Peak die größte ist. Weitere Projekte sind in Planung, die nächste Anlage soll sogar dreimal so groß werden. Das Geld dafür soll nicht von der Bank, sondern von den Mitgliedern kommen. Ein Teil ist schon ohne Öffentlichkeitsarbeit zusammengekommen. Interessierte können sich auf der Website www.fegh.de informieren. „Das Geld ist tatsächlich nicht das Problem, das Schwierige ist, Flächen zu finden,“ erläutert Ellermann. Flächen für PV-Anlagen müssen groß sein, aber die Landwirtschaft brauche ihre Flächen, damit im Kreis Herford auch regionale Lebensmittel erzeugt werden können.

Über Photovoltaik allein wird der Kreis seine Klimaschutzziele aber auch nicht erreichen können. Laut Klimaschutzkonzept sollen bis 2030 dreißig Prozent des Strombedarfs – 57 Megawatt – aus erneuerbarer Energie gewonnen werden. Die Anlage auf dem Reesberg erzeugt an einem sehr sonnigen Tag 3.600 kWh, das ist ungefähr so viel, wie ein durchschnittlicher Haushalt im Jahr verbraucht. Inklusive der nicht ertragreichen Monate können so pro Jahr ca. 180 Haushalte durch die Anlage versorgt werden.

„Bei einer 5 Megawatt-Anlage reicht ein Rotorenschlag, und ein E-Auto ist vollgeladen“

Andrea Haack

Deutlich effektiver sind Windräder. Bei einer 5 Megawatt-Anlage „reicht ein Rotorenschlag, und ein E-Auto ist vollgeladen,“ gibt Haack ein anschauliches Beispiel. „Es bräuchte für 57 Megawatt nur 12 Anlagen à 5 Megawatt, um diese Mengen zusammenzubekommen. Den Menschen,
die sich in Bürgerinitiativen gegen solche Anlagen stellen, muss doch klar sein, dass sie damit der Energieunabhängigkeit im Wege stehen. Wir können nur Energie importieren, oder hier bei uns gewinnen.“

Neubaur will auf Landesebene die Abstandsregelung von tausend Metern kippen. Und es sei zu wenig bekannt, dass die Kommunen auch heute schon Handlungsspielraum haben, die tausend Meter zu unterschreiten. Außerdem gebe es inzwischen auch Abschaltautomatiken, die die Rotoren so lange stoppten, wie der Schatten auf ein Haus fiele. Wichtig für die Akzeptanz sei, dass die Bürger*innen an Anlagen zu regionalen Energiegewinnung beteiligt werden. Die Umsetzung muss aber vor Ort in den Kommunen erfolgen.

Auf das vom Ellermann angesprochene Problem der wenigen ausgewiesenen Windvorrangzonen fordert der Landrat Jürgen Müller von Land und Bund möglichst einfache und klare rechtliche Regeln. Oft wären die Vorgaben viel zu kompliziert und weltfremd und für die Kreise nicht umsetzbar.

Es muss also schneller gehen, darin sind sich alle einig. Neubaur nimmt das mit in den Landtag und verliert die Hoffnung nicht: Die Haltung gegenüber Windkraft habe sich vielleicht jetzt schon etwas geändert – durch Putin.

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