GRÜNER ERFOLG: NATURSCHUTZ AM STRASSENRAND

Wegesrand

Straßenränder sollen renaturiert werden – Landwirtschaftskammer und Naturschutzverbände unterstützen Forderung der Kreispolitiker
Text und Copyright Bärbel Hillebrenner // Herforder Kreisblatt vom 02.11.2016
255 Hektar ist eine Fläche, auf der 357 Fußballfelder Platz haben. So groß ist die Summe aller Grünstreifen an den Straßenrändern im Kreis Herford, auf denen einige Landwirte kommunale Bereiche bewirtschaften. Diese Naturräume – insgesamt sind es 5948 Einzelstücke – sollen für Pflanzen und Insekten erhalten oder zurückgewonnen und nicht mehr beackert werden.

Dem Antrag von SPD und Grüne stimmte der Kreistag am Freitag mit großer Mehrheit zu. Mit dem Beschluss sollen nun die neun Städte und Gemeinden im Kreis sowie die Naturschutzverbände und die Landwirtschaft mit ins Boot geholt werden. Erst letzte Woche hatte es bereits ein gemeinsames Gespräch mit dem Landrat gegeben. Darin hatte die Landwirtschaftskammer angeregt, dass in den vielen Einzelfällen eine Abstimmung mit den örtlichen Vertretern der Landwirtschaft und des Naturschutzes stattfinden soll. Um die Rückgewinnung der Natur zu unterstützen, sollen aber auch Möglichkeiten einbezogen werden, an anderer, vielleicht sogar besserer Stelle – zum Beispiel entlang eines Gewässers – neue oder ergänzende Grünstreifen anzulegen.

Die Kommunen und der Landesbetrieb Straßen NRW sollen derweil prüfen, ob die Wegeränder an ihren Straßen unbefugt bewirtschaftet werden. Dafür wird ihnen die Kreisverwaltung die digitalen Datensätze und Karten kostenlos zur Verfügung stellen. Der Kreis selbst will eine ABM-Kraft befristet einstellen, um den Verlust an kreiseigenen Wegeseitenstreifen festzustellen. Die bewirtschafteten öffentlichen Grünstreifen verteilen sich im Kreis so: In Herford sind es 36 Hektar, in Hiddenhausen 12 Hektar, Bünde 45, Kirchlengern 11, Rödinghausen 21, Vlotho 18, Enger 18, Spenge 13, Löhne 32, an Kreisstraßen 33 und an Landesstraßen 16 Hektar – zusammen 255 Hektar.

Ingo Ellermann, selbst Landwirt in Vlotho und Mitglied der Grünen-Kreistagsfraktion, hat ausgerechnet, dass diese Größenordnung umgerechnet 1693 Kilometer Ackerrandstreifen mit einer Breite von 1,50 Metern ausmachen. Ellermann: »Ackerrandstreifen und Feldwege sind lineare Saumbiotope, die sich wie ein Netz durch die Landschaft ziehen und daher eine besondere Bedeutung für den Artenschutz von Pflanzen und Tieren haben.« Wenn es gelingen würde, diese Flächen wiederherzustellen, wäre das ein enormes Potenzial für den Naturschutz und das Landschaftsbild. Für die betroffenen Landwirte könne das auch in wirtschaftlicher Hinsicht interessant sein, da über das Kulturlandschaftsprogramm eine Förderung für eine Neueinsaat von 1500 Euro pro Hektar möglich sind. Ingo Ellermann: »Für die weitere, naturschutzgerechte Bewirtschaftung stellt das Landesprogramm nochmals jährlich 1000 Euro pro Hektar zur Verfügung.«

Titelbild: von Elke Freese – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php