Wahlprogramm 2020

Inhaltsverzeichnis

  • Präambel
  • Umweltschutz
  • Chancen für junge Menschen
  • Soziales
  • Vielfalt, Gleichstellungs- und Frauenpolitik
  • Kultur
  • Verkehr
  • Wirtschaft
  • Gesundheit
  • Ernährung und Sport
  • Bildung

 

Präambel

Liebe Einwohner*innen des Kreises Herford,

die Kommunalwahl am 13. September findet in einer besonderen Zeit statt. Das Leben hier im Kreis Herford ist anders geworden. Wir tragen Masken, wir halten Abstand. Die Kinder in unserem Kreis sind wochenlang nicht zur Schule und in die Kita gegangen. Viele Eltern – gerade Frauen – arbeiten am Limit zwischen Job, Kindern und Haushalt. Viele Mitbürger*innen haben ihren Job verloren oder befinden sich in Kurzarbeit.

Gleichzeitig haben wir alle gesehen, wozu wir gemeinsam imstande sind: Unsere Ärztinnen und Ärzte und Pflegerinnen und Pfleger leisten täglich vollen Einsatz. Nachbar*innen helfen sich gegenseitig und kommen in Kontakt. Fans und Kund*innen unterstützen ihre Läden und Lieblingskünstler*innen um die Ecke.

Diese Krise stellt vieles in Frage. Vielleicht fragen auch Sie sich:

  • Wie sieht die Zukunft hier im Kreis Herford für mich und für meine Familie aus?
  • Wie und wo werden wir arbeiten und lernen?
  • Wie werden wir uns fortbewegen?
  • Wie wird das Leben im Kreis Herford, wenn es immer mehr heiße Sommer und Stürme gibt?

Wir GRÜNE suchen schon lange Antworten auf diese Fragen. Mit der Überzeugung: Wer heute Entscheidungen trifft, muss schon an morgen denken. Ein Kreis Herford,

  • in dem es einfach und sicher ist, mit dem Rad von A nach B zu kommen, weil viele Radwege gebaut wurden.
  • wo die Kinder der Schüler*innen von heute einmal gleiche Chancen haben werden, weil ihre Eltern früh gefördert wurden.
  • mit einer vielfältigen und starken Wirtschaft – viele inhabergeführte Läden, smarte und umweltschonende Logistik und sichere Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen.
  • wo alle, die hier leben, zum Kreis gehören und niemand ausgegrenzt wird.

GRÜN ist, wenn aus Wir Wirklichkeit wird. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass wir gemeinsam stärker sind. Sie hat auch gezeigt, dass wir in Krisenzeiten auf unsere Solidarität bauen müssen und nicht auf Hass und Ausgrenzung. Wir GRÜNE wollen diesen Geist erhalten und die Menschen fördern, die sich weiter für eine offene Gesellschaft einsetzen. Wir wollen unsere soziale Infrastruktur ausbauen, Barrieren abbauen, Orte der Begegnung schaffen und unser Gemeinwesen stärken.

Gerade die jungen Menschen in unserem Kreis haben in der Corona-Krise ungeheure Solidarität mit den Älteren und verletzlichen Gruppen in der Gesellschaft gezeigt. Wir sind gefordert, ebenfalls solidarisch mit der jungen Generation zu sein, indem wir ihre Zukunft sicher und lebenswert gestalten und ihrer Stimme Gehör verschaffen. Gegen das Corona-Virus haben wir noch kein wirksames Medikament, aber wir werden es irgendwann entwickeln. Gegen die Klimakrise gibt es keinen Impfstoff. Deshalb setzen wir Grüne uns mit ganzer Leidenschaft für Klimaschutz ein, der hier im Kreis Herford beginnt.

Wir GRÜNE, das sind Bürgerinnen und Bürger des Kreises Herford, die sich für unseren Kreis engagieren. Uns alle eint, dass wir hier etwas ändern wollen, denn unsere gemeinsame Zukunft wird hier entschieden.

Auf den kommenden Seiten beschreiben wir, was wir in den kommenden Jahren im Kreis genau vorhaben.  Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung und werben dafür, dass Sie bei der Kommunalwahl am 13. September – bei der Briefwahl schon früher – für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und unseren Landratskandidaten Jürgen Müller stimmen.

 

Klimaschutz

Klimaschutz muss in allen politischen Handlungsfeldern höchste Priorität haben.

Der Kreis unterstützt mit seinem Klimaschutzkonzept die Klimaziele Deutschlands und der Europäischen Union um einen globalen Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad zu verhindern.

Für das große Ziel eines klimaneutralen Kreises bis 2050 sind erhebliche Anstrengungen nötig. Die bisher beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen müssen deshalb schneller und konsequenter umgesetzt werden. Handlungsschwerpunkte sind der Verkehr (s. dazu eigenes Kapitel), die erneuerbaren Energien und die Energieeinsparung im Gebäudebestand. Zur Unterstützung sollen alle Kommunen im Kreis Klimaschutz- Managerinnen einstellen und die Jugendlichen der „Fridays for Future“ Bewegung in die Arbeit vor Ort einbeziehen.

Wir stehen für die Aufstellung eines interkommunalen Aktionsplans zum Ausbau erneuerbare Energien mit entsprechenden Flächenausweisungen für Photovoltaik- und Windenergieanlagen.

Außerdem wollen wir eine Ausstattung von 30% aller Wohnungen mit Photovoltaik- und thermischen Solaranlagen erreichen. Um Haushalte mit geringem Einkommen zu unterstützen soll der angebotene Stromsparcheck zu einem umfassenden Energiesparcheck ausgeweitet werden. Unsere Abfälle sind zu reduzieren und die Reste einer optimalen stofflichen und energetischen Verwertung zuzuführen. Zum Beispiel durch Biogasgewinnung und -nutzung für Nahwärme in Wohngebieten.

Die bauliche Entwicklung im Kreis muss flächensparender erfolgen, da land- und forstwirtschaftliche Flächen CO2 im Boden binden und die Grundwasserneubildung ermöglichen. Wir unterstützen deshalb die Städte und Gemeinden bei einer flächensparenden ökologischen Siedlungsentwicklung, beim klimagerechten Waldumbau sowie bei der Klimafolgenanpassung (Hochwasserschutz, Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung).

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Einen interkommunalen Aktionsplan aller erneuerbarer Energien
  • Konsequente Umsetzung und Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes
  • Klimagerechten Waldumbau, mehr Straßenbäume

 

Umweltschutz

Wir setzen uns konsequent für den Schutz der freien Landschaft ein. In unserem dicht besiedelten Gebiet bedeutet Flächenschutz auch Artenschutz, Klimaschutz und Bodenschutz. In den letzten 20 Jahren sind rund 95 ha pro Jahr für Siedlungen, Gewerbe, Straßen und Wege überbaut worden! Diese Flächen fehlen auch den Landwirtinnen und Landwirten für unsere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln.

Der neue Landschaftsplan für den Kreis Herford muss ein echter Landschaftsschutzplan werden- ohne zahlreiche Ausnahmen. Die Naturschutz- und Biotopflächen sind für mehr Artenschutz zu vergrößern. Entwicklungsmaßnahmen wie Heckenanpflanzungen, Baumgruppen, Alleen und Obstwiesen sind nicht nur einzuplanen, sondern auch umzusetzen. Altlasten wie z.B. verfüllte Siekbereiche, Bauschutt in Hohlwegen oder illegale Entwässerungen sind zurück zubauen.

Wir fordern ein konsequentes Flächenrecycling von Industriebrachen, den Rückbau von Schrottimmobilien in der freien Landschaft und eine Wiederbelebung von vernachlässigtem Wohnraum in Siedlungsbereichen. Leerstände sind bei fehlendem Wohnraum dringend zu vermeiden.

Neue Flächen für Gewerbegebiete sind nur dann zu genehmigen, wenn sie ökologische Standards einhalten. Wir fordern eine flächenschonende und energiesparsame Bauweise im Passiv- oder Plusenergiestandard, naturnahe Begrünung, ein nachhaltiges Regen-/Abwasserkonzept und die Nutzung erneuerbarer Energien.

Infolge der Klimaschäden durch Stürme, Trockenheit und Insektenfraß muss der Waldumbau schnell erfolgen. Die Fichte ist durch geeignete Laubbäume zu ersetzen, die den heimischen Tierarten eine zukunftsfähige Lebensgrundlage bieten und eine hohe CO2-Aufnahme sicherstellen.

Wir wollen die kommunalen Wegerandstreifen und Ackerränder wieder zu echten, bunten Seitenstreifen machen, auf denen einheimische Wildblumen und Stauden wachsen können. So kann ein netzartiges Saumbiotop in der Agrarlandschaft von bis zu 150 km Länge im Kreis Herford zurückgewonnen werden! Dieses Biotopnetz ist durch eine angepasste Pflege langfristig zu entwickeln und zu erhalten.

Für den Erhalt und die Pflege der Landschaft ist die Landwirtschaft ein wichtiger Partner. Ziel muss es daher sein, eine möglichst vielfältige Landwirtschaft mit kleinen und mittleren Betrieben zu erhalten. Die biologische Landwirtschaft ist zu fördern, da sie besonders klima-, wasser- und bodenschonend wirtschaftet. Für den Vertragsnaturschutz ist der Landwirt, die Landwirtin vor Ort unverzichtbar. Das Kulturlandschaftsprogramm des Kreises bietet noch viel Potential für mehr Artenvielfalt. Als Beispiele sind Extensivierungsmaßnahmen zum Schutz von Kiebitz, Feldlerche und Rebhuhn zu nennen. Bearbeitungsfreie Schonzeiten auf dem Feld, lückige Getreidefelder oder Einschränkungen bei der Düngung und dem Pflanzenschutz gehören ebenfalls dazu.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Flächenschonende und energiesparsame Bauweise
  • Einen echten LandschaftsSCHUTZplan
  • Renaturierte und blütenreiche Ackerrandstreifen für Artenvielfalt

 

Chancen für junge Menschen

Jugendpolitik ist für uns zukunftsorientierte Aktion als Antwort in Zeiten des Umbruchs.  Symbolisch hierfür steht unsere Gründung der Grünen Jugend Kreis Herford.

Wir wollen jungen Menschen die Chance bieten für eine vielversprechende Zukunft; einer Generation von Digital Natives, die für Solidarität und Ökologie steht. Wir wollen die Verwaltungen an die Digitalisierung 4.0 anpassen und so allen einen offenen Zugang zu ermöglichen.  Wir fördern und fordern Jugendsozialarbeit, Jugendkultur, Zugang zu Bildung für alle Bevölkerungsschichten und den digitalen Ausbau der Behörden und öffentlichen Einrichtungen.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Vereinfachten Zugang sowie Nutzung des ÖPNV für Schüler und Studenten (1 € pro Tag)
  • Ausweitung der Jugendsozialarbeit, insbesondere für Mädchen und junge Frauen
  • Förderung des Breitbandausbaus im Kreis

 

Soziales

Soziale Gerechtigkeit gehört neben der Ökologie zu den Grundsäulen unserer Partei. Wir vertreten dabei die Idee, dass alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit ein Recht auf ein Leben in Würde, Selbstbestimmung und Freiheit haben. Deshalb fordern wir eine sanktionsfreie und armutsfeste Grundsicherung, einen angemessenen Mindestlohn und flächendeckend gute Beratungs- und Betreuungsstrukturen.

Auch bei uns im Kreis Herford streiten wir für mehr Gerechtigkeit. Wir wollen die sozialen Grundrechte stärken. Dafür braucht es verständliche und auf Zielgruppen abgestimmte Informationen zu Leistungen, Beratungsmöglichkeiten und Widerspruchsrechten, aber auch zu Sozialtickets und Sozialpässen der Kommunen. Diese sollten grundsätzlich auch in den anderen Orten des Kreises gelten.

Beratungsangebote müssen stabil und langfristig abgesichert werden. Das gilt für den Stromsparcheck, der Menschen hilft, Energiekosten zu sparen und gleichzeitig zum Klimaschutz beiträgt. Gerade im Kreis Herford ist im letzten Jahr aufgrund des Brandes am Lübber Tor in Herford das Thema Energiearmut in die Schlagzeilen geraten. Jenseits der Schlagzeilen leben in unserem Kreis zu viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Das können wir nicht hinnehmen. Deshalb darf es keine Stromabschaltung ohne soziale Prüfung geben. Wohnen stellt für uns ein Grundrecht dar. Deshalb setzen wir uns für mehr bezahlbaren Wohnraum ein.

Die Kreispolitik muss genauer wissen, wie sich die Lage im Kreis entwickelt.  Deshalb fordern wir einen jährlichen Armutsbericht, der aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Anzahl der minderjährigen Kinder ein möglichst umfassendes Bild liefern soll.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Mehr bezahlbaren Wohnraum
  • Transparente Informationen für Hilfesuchende
  • Langfristig abgesicherte Beratungs- und Unterstützungsangebote

 

Vielfalt, Gleichstellungs- und Frauenpoltik

Gesellschaftliche Vielfalt und Gleichberechtigung sind eine Bereicherung für unseren Kreis. Sie passieren aber nicht von alleine, sondern erfordern eine bewusste Übersetzung eines inklusiven Gesellschaftsbildes in alle Bereiche der Kreispolitik. Deshalb wollen wir eine gleichstellungsorientierte Haushaltsführung.

Frauen haben immer noch mit größeren Widerständen und Hürden zu kämpfen als Männer. Wir setzen uns für eine konsequente Förderung von Frauen im Berufsleben ein und wollen Weiterbildungsangebote auch für Frauen zur Verfügung stellen, die keine Transferleistungen beziehen. Die Gleichstellungsstellen im Kreis Herford leisten eine wichtige Arbeit. Diese wollen wir weiterhin unterstützen und mit einer/einem Diversitybeauftragten ergänzen, um auch die Gleichstellung marginalisierter Gruppen voranzubringen.

Im letzten Jahr hat unser Landrat erstmals am Kreishaus eine Regenbogenfahne gehisst. Das war ein starkes Zeichen für die Akzeptanz lesbischer, schwuler, bi-, trans- und intersexueller Menschen. Auch das neue queere Jugendzentrum in Herford zeigt eine erfreuliche Entwicklung in die richtige Richtung auf. Wir wollen diese Entwicklung verstetigen und queere Initiativen im Kreis langfristig unterstützen.

Andererseits hat auch im Kreis Herford rechtes Gedankengut in den letzten Jahren an Boden gewonnen. Dem gegenüber steht aber eine breite Zivilgesellschaft, die für die Werte einer offenen Gesellschaft einsteht. Wir stehen an der Seite dieser Zivilgesellschaft. Deshalb wollen wir den langfristigen Erhalt der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Das lokale Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus durch die Fachstelle NRWeltoffen wollen wir umsetzen und weiterentwickeln.

Der Kreis darf nicht neutral sein , wenn es um totalitäre, menschenverachtende und frauenfeindliche Positionen geht. Dies gilt nicht nur für für rechtsradikales Gedankengut. Auch bei religiösem Fanatismus ist der Kreis gefragt. Hier wollen wir die Aufklärungsarbeit voranbringen und ausstiegsbereite Salafist*innen unterstützen.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Konsequente Gleichstellungspolitik
  • Klare Kante gegen Rechts
  • Förderung queerer Projekte

 

Kultur

Kultur ist ein unverzichtbarer Teil eines lebendigen Gemeinwesens. Sie schafft Identität, stiftet Zusammenhalt, prägt das Bild einer Region und sorgt für Unterhaltung. Das gilt nicht nur für die großen Leuchttürme in unserem Kreis. Auch freie Künstler*innen und kleine Projekte bereichern uns und verdienen Räume zur Entfaltung. Das gilt auch für Jugendkultur. Diese benötigt für ihre Entfaltung meist ganz besondere Räume und Flächen, zum Beispiel zum Sprayen.

Kinder und Jugendliche sollten auf besondere Weise an Kultur herangeführt werden. Wir wollen Barrieren abbauen und kulturelle Frühförderung stärken. Kinder sollten grundsätzlich kostenlosen Zutritt zu Museen erhalten. Kultur soll auch Erinnerung bewahren und Demokratie stützen. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazi-Diktatur hat unsere Gesellschaft gestärkt und freier gemacht. Diese Erinnerungskultur wollen wir weiterführen und mit Leben füllen.

Wir wollen die kulturellen Angebote im Kreis besser vernetzen und Informationen bündeln. Ein leicht auffindbarer zentraler Terminkalender für Veranstaltungen im Kreis könnte die Szene beleben.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Eine breit gefächerte Kulturförderung
  • Kulturelle Frühförderung
  • Vernetzung des kulturellen Angebotes im Kreis

 

Verkehr

Wir stecken im Verkehr und ersticken bald! Ein radikales Umdenken tut not. Die Verkehrswende im Kreis Herford muss zu einer interkommunalen Aufgabe werden. Wir erreichen die Klimaschutzziele indem wir , den individuellen Autoverkehr bis 2030 um mindestens 50% verringern. Voraussetzung dafür ist ein attraktives, gleichwertiges Angebot, dass den Umstieg vom Auto zu Bus, Bahn und Fahrrad leicht macht. Der Kreis als Aufgabenträger für den ÖPNV und die überregionalen Radwege muss dabei mehr Verantwortung übernehmen. Auch die Kommunen sind gefordert durch städtebauliche Umbaumaßnahmen die entsprechende Infrastruktur z.B. durch Mobilstationen, Fahrradstraßen, Haltestellen mit angemessener Aufenthaltsqualität und Parkraumbewirtschaftung zu schaffen, um die neuen Verkehrskonzepte zu unterstützen.

Die Buslinien sind in Orts- und Stadtlinien im Viertelstundentakt und in kreisweite Schnellbuslinien im halbstunden Takt aufzuteilen. Neue Linien sind zu schaffen, damit die Wege bis zur nächsten Haltestelle sicher und nicht so lang sind. Bedeutsame Publikumsmagnete wie z.B. Krankenhäuser, Schwimmbäder oder Bildungseinrichtungen sind dabei besonders zu berücksichtigen. Eine Versorgung auch am Abend und am Wochenende ist mit einem differenzierten „Auf-Bestellung-System“ per Buchungs-App oder per Telefon und Telefon zu ergänzen. Verschiedene Verkehrsmittel wie Fußweg, Bus, Bahn, Fahrrad und E-Scooter sollen an zentralen Punkten, den Mobilstationen, verknüpft werden. Hier sind auch sichere, überdachte- Fahrradabstellplätze, E-Ladestationen und Carsharing Fahrzeuge zu finden. Alle neu anzuschaffenden Busse sollen emissionsfreie Antriebe wie Wasserstoff, Elektrizität oder Biogas umgestellt werden. Dabei dürfen die Kosten für die Nutzer*innen aber nicht steigen. Ziel ist ein einheitliches Klimaschutz-Ticket für einen Euro pro Tag als Monats- oder Jahresabo, oder z.B. Zehnertickets für Seltenfahrende. Der Kreis und die Kommunen bauen zusammen die bestehenden Radwege zu einem leistungsfähigen und sicheren Alltags-Radwegenetz aus. Dafür bilden sie einen Betreibsteil der die Pflege der Radinfrastruktur betreut und den Ausbau fördert. Das Radwegenetz verbindet die Wohngebiete und Zentren mit den großen Arbeitgebern und den Mobilstationen. Die Mitnahme von Fahrrädern, E-Bikes, Kinderwagen oder Rollatoren muss möglich sein. Bei Bedarf müssen für Rollstuhlfahrende Sonderfahrzeuge bestellt werden, damit deren Wartezeit nicht zu lang ist.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Mehr Radwege im Kreis
  • Attraktiven und günstigen ÖPNV
  • Carsharing und neue vernetzte Mobilitätsformen

 

Wirtschaft

Wir wollen eine umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaft. Daher stellen wir Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Handeln über den rein finanziellen Profit. Die Gemeinwohlökonomie kann hier als Beispiel dienen.Künftig müssen Produkte, die mit weniger Material-und Energieverbrauch auskommen, langlebig und recycelbar sind Vorrang haben.

Die Wirtschaftsförderung des Kreises Herford soll Unternehmen vernetzen, um gemeinsame Vorteile zu erlangen. Gute Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung für gute Arbeit. Aktuelle Anforderungen an Arbeitsplätze wie tageweise Homeoffice, flexible (familienangepasste) Arbeitszeiten sollten in die Realität umgesetzt werden. Die Kooperation mit den Gewerkschaften und Belegschaften kann hier vieles umsetzen helfen. Außerdem sollten die Anforderungen an Bildungsgänge in den Berufkollegs ebenso im Auge behalten werden, wie die Weiterbildung der Beschäftigten und Kooperationen mit Fachhochschulen und Universitäten.

Gerade der Kreis Herford muss ein großes Interesse an einer intensiven Zusammenarbeit in OWL haben. Angesichts steigender Energie- und Rohstoffkosten und deren Auswirkung auf das Klima,sollte die Wirtschaft nicht auf eine kurzfristige Rendite achten, sondern langfristig und nachhaltig wirtschaften. Eine intakte und schöne Landschaft im Kreis Herford ist als weicher Standortfaktor für die Erholung der Arbeitskräfte und den zunehmenden Tourissmus weiter zu entwickeln.

Leerstehende Gewerbeimmobilien und -flächen stellen eine Herausforderung für alle Kommunen im Kreis Herford dar. Andere Städt und Kreise setzen dabei auf kreative Konzepte und vermittel z.B. Zwischennutzungen für diese Brachen. Der Kreis Herford könnte das aufgreifen und eine Anlaufstelle für Interessierte werden.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Vernetzung von Unternehmen
  • Überregionale Kooperationen
  • Nachhaltige Wirtschaftskonzepte

Gesundheit

Gesundheit ist ein hohes Gut. Wir werden uns dafür einsetzen, dass alle Menschen im Kreis Herford von einer guten Infrastruktur profitieren können. Sie sollen die Versorgung bekommen, die sie benötigen, egal ob im stationären oder ambulanten Sektor. Wir wollen den Kreis Herford zu einer Gesundheitsregion formen. Gesundheitszentren mit Arztpraxen, Physiotherapie, Apotheke, Hebammenpraxis, Pflegeberatung u.a. in der Nähe der Kliniken sollen zur Ansiedlung von Haus- und Facharztpraxen beitragen und den Ärzt*innenmangel bekämpfen. Das ist ein kommunales Thema, aber der Kreis kann seinen Beitrag bei der Koordination oder über das Klinikum leisten. Kooperationen dazu mit benachbarten Kreisen, z.B. Bielefeld wären sinnvoll. Frauengesundheit als eigener Bereich spielt eine wichtige Rolle, hier müssen neben Beratungsangeboten auch die Lösungen, wie z.B. Abbrüche, auch von öffentlichen Kliniken gewährleistet werden.

Auch die Ausbildung des medizinischen und pflegerischen Personals spielt bei der Versorgung eine große Rolle. Die Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum / Minden, Bad Oeynhausen und Herford zur Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Klinischen Semestern müssen wir weiterführen. Auch bei der Ausbildung von Pflegepersonal schaffen Kooperationen mit anderen Ausbildungsstätten Sicherheit. Wir setzen uns für den Erhalt aller Krankenhäuser – mit ihren stationären und ambulanten Angeboten – im Kreis ein. Die psychiatrische Versorgung muss gesichert sein. Vorbeugender Gesundheitsschutz muss eine Rolle spielen und strategisch entwickelt werden als Reaktion auf zunehmende Hitzeperioden und knappes Trinkwasser, Stickoxyde und Lärmbelästigung durch den Autoverkehr.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Erhalt der klinischen Versorgung im Kreis Herford
  • Gesicherte Ärzt*innenversorgung durch Gesundheitszentren
  • Vorbeugenden Gesundheitsschutz

 

Ernährung und Sport

Von richtig guter Ernährung wird kaum gesprochen. Wenn man darauf angewiesen ist, die Mahlzeiten in der Kantine oder Mensa zu sich zu nehmen, fällt eine bewusste Ernährung schwer. Wir setzen uns das Ziel, den Anteil an Bio-Essen in den öffentlichen Einrichtungen des Kreises Herford bis 2022 deutlich zu erhöhen. Als Vorbild soll Kopenhagen dienen, wo besseres Essen für alle realisiert wurde. Die „Ernährungsstrategie im Kreis Herford“ soll durch das Projekt „House of Food“ umgesetzt werden.

Die Rahmenbedingungen:

  • Essen ohne Gentechnik und gesundheitsschädliche Zusatzstoffe, mit
  • deutlichen Tierschutzstandards in öffentlichen Einrichtungen
  • Gesunde Ernährung in den Mensen und Cafeterien der kreiseigenen
  • Einrichtungen, wie Kreishaus, Berufsschulen, Klinikum durch den Einsatz
  • von regionalen, saisonalen, biologisch erzeugten Lebensmitteln

Damit wollen wir, dass der Kreis seine Vorbildfunktion ausübt und eine Botschaft an die Menschen und Kommunen im Kreis sendet.

Wir fördern de Sport und unterstützen das Ehrenamt. Durch gemeinsamen Sport wird das soziale Miteinander gefördert, es macht Spaß und man tut etwas für die Gesundheit und Lebensqualität. Eine zukunftsfähige Sportpolitik sollte der gesellschaftlichen Vielfalt gerecht werden. Der Kreis als Träger der Berufsschulen kann da Vorbild für die Kommunen im Kreis Herford sein. Dazu ist ein intensiver Austausch mit den kommunalen Sportverbänden nötig.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Mehr Bio!
  • Gesunde Ernährung in öffentlichen Einrichtungen
  • Breit angelegte Sportförderung

Bildung

Bildung ist ein Schlüssel zu Zufriedenheit und Erfolg im Beruf. Bildung ist eine Grundlage demokratischer Mitbestimmung. Bildung entscheidet über die Lebenschancen. Investitionen in die Bildung und Ausbildung sind Investitionen in die Zukunft des Kreises Herford. Hier ausgebildete Fachkräfte bleiben vor Ort, weitere Fachkräfte werden angezogen.

Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Immer mehr Kinder kommen immer früher bspw. in Kindertagesstätten, in denen aufgrund personeller Engpässe oft Zeit und Raum für pädagogische Förderung fehlt. Dabei ist besonders der Elementarbereich der pädagogischen Frühforderung wichtig für die spätere Bildungsbiografie und somit der gesellschaftlichen Teilhabe der Kinder. Insbesondere Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund könnten von zusätzlichen Förderprojekten im Bereich Elementarpädagogik profitieren. Wir möchten uns durch verschiedene Kooperationen für mehr Fördermaßnahmen in Kindertagesstätten und Schulen im Kreis Herford engagieren.

Gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen im Kreis Herford – unabhängig ihrer sozialen Herkunft – sind das zentrale Ziel grüner Bildungspolitik.

Dieses Ziel ist nur zu erreichen in einer regionalen Bildungslandschaft, in der alle Verantwortlichen eng zusammen arbeiten, um ihre Bildungs- und Ausbildungsangebote aufeinander abzustimmen. Dazu gehören vor allem die verschiedenen Schulen und Schulformen in den Kommunen des Kreises, die Berufskollegs, die Betriebe, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, die überbetrieblichen Ausbildungsstätten, die Kammern und die Gewerkschaften. Der Kreis hat in den letzten Jahren eine Reihe von Arbeitsgruppen und Veranstaltungen initiiert, in denen die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure organisiert wird, z.B. Bildungskonferenzen oder den Arbeitskreis Schule-Beruf.

Wer Grün wählt, stimmt für:

  • Gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Jugendliche