Öffentlicher Personennahverkehr in Hiddenhausen – wo soll es wie lang gehen?

„Die Diskussionen um den massiven Verkehr auf B 239 und Bünder Str. sind verebbt, die Planungen dauern und werden vielleicht die nächste Generation betreffen“, sagt das grüne Ratsmitglied Christos Zioudas. Der Städte- und Gemeindebund NRW stellt zur Mobilität der Zukunft fest, dass die Ansprüche der Bürger*innen in Bezug auf Wohnverträglichkeit, subjektives Wohlbefinden, Gesundheit, Barrierefreiheit und Ökologie auch bei dem Thema Verkehrsinfrastruktur erheblich gewachsen sind. Gleichzeitig soll das Angebot leistungsstark und funktionsfähig gehalten werden. Hiddenhausen ist keine Insel, daher bleiben Verkehrs-Verbesserungen, bestenfalls eine Reduzierung des Verkehrs in der Gemeinde eine Aufgabe der Koordination auf regionaler Ebene. Dabei bleibt die Frage, was die Kommune selber tun kann: Z.B. Einfluss auf den Individualverkehr in der Gemeinde nehmen – auch wenn ein großer Anteil der Verkehrsemissionen Lärm, Staub, Abgase durch den Durchgangsverkehr entstehen.

Das Sozialticket, Weser-Werre Ticket hat mit Förderung des Landes im Kreis Herford eine erstaunliche Resonanz gefunden und stärkt die Nachfrage nach öffentlichem Personennahverkehr. „Fahrtkosten sind eine Stellschraube für vermehrte Nutzung. Genauso hat die Qualität, z.B. die Taktung und Nutzerfreundlichkeit im Liniennetz bekanntermaßen ebenso großen Einfluss, “ berichtet Bernhard Weil, der grüne Fraktionsvorsitzende. Hiddenhausen hat ein von Ortsteil zu Ortsteil unterschiedlich gutes ÖPNV-Angebot mit den Linien, die die Gemeinden im Kreis verbinden. Weiterer Bedarf besteht bei den Querverbindungen zwischen den Ortsteilen. Eine Fahrt von Oetinghausen nach Schweicheln ist mehr als umständlich und lockt ins Auto – sofern vorhanden. Das beliebte Elterntaxi macht einen nicht unerheblichen Teil des innergemeindlichen Verkehrs aus. Individuelle Fahrten – meist mit dem Auto – zu Besuchen, Einkaufen, Arztbesuche, Bankbesuche, Fahrten zum Bahnhaltepunkt und Rathaus sowie Kulturveranstaltungen wie „Kultur in der Provinz“ in der OPG kommen dazu. In anderen Gemeinden werden die Querverbindungen als Ergänzung zu den Hauptlinien seit Mitte der 80 er Jahre erfolgreich von Bürgerbussen bedient.

Spenge, Hille, Kalletal zeugen in der Region von erfolgreich umgesetzten Modellen. Auch die Bürgerbusse folgen meist festgesetzten Linien. Viele tausend Fahrgäste nutzen die Kleinbusse, bei oft stündlicher Taktung und annähernd ganztägigen Betriebszeiten In Zeiten von Handies, Bedarfsrechnern und Uber entwickeln sich neue Personenbeförderungssysteme, die individuellen Fahrwünschen nachkommen. Dabei ist die Kombination aus „Bürgerbus / Bürgertaxi“ und „call on demand“ (Fahrten auf Abruf) wie es im Neudeutsch heißt bereits in NRW in Erprobung bzw. umgesetzt. On-demand plus Öffentlicher Personennahverkehr ist möglich. Statt feste Strecken zu bedienen, wie es bei Bussen üblich ist, fahren dann Kleinbusse ohne festgelegte Routen und ohne fixen Fahrplan.

Die Kunden geben per Handy-App an, von wo nach wo sie fahren wollen. Ein Computer berechnet für jeden Bus die optimale Route, um möglichst viele Fahrgäste möglichst effizient an ihren Zielort zu befördern. Das heißt: Ich melde meinen Fahrtenwunsch von A nach B innerhalb der Gemeinde an einen Computer und der Computer sagt mir, wann mich das Bürgertaxi am Einstiegspunkt abholt und wie lange die Fahrt dauern wird. Möglich sind eine freie Wahl von Start und Ziel, oder die Anfahrt von Haltestellen, die entsprechend der Nachfrage festgelegt werden. Eine optimale Lösung findet der grüne Fraktionsvorsitzende Bernhard Weil: „Die Umwelt profitiert bei einem verbesserten Angebot für Bürgerinnen und Bürger.“ Das soll auch in Hiddenhausen möglich sein, erste Gespräche sind geführt.

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