MEHR NATUR AM STRASSENRAND

SPD und Grüne im Kreis wollen Lebensräume zurückholen

Text, Foto und Copyright Bärbel Hillebrenner // Herforder Kreisblatt vom 21.06.2016

Kreis Herford(HK). Zurück zur Natur! So lautet das Ziel von SPD und Grünen im Kreis Herford. Die Parteien wollen wild wachsende Grünstreifen an Straßen und Wegen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zurückgewinnen und vorhandene erhalten.

Für Tiere sind die Böschungen und grünen Gräben an den Straßen ein naturbelassener Lebensraum – Landwirte nutzen sie jedoch häufig als erweiterte Ackerfläche. Deshalb wollen SPD und Grüne von den Städten und Gemeinden, vom Kreis und vom Landesbetrieb Straßen NRW wissen, ob deren Grünstreifen unbefugt bewirtschaftet werden. Denn die Landschaftsbehörde des Kreises Herford hat festgestellt, dass es insgesamt 5948 einzelne Flächen an Wegerändern gibt, an denen sich kommunale Flächen mit landwirtschaftlich genutzten Streifen überschneiden. Zusammen macht das eine Gesamtfläche von 255 Hektar aus – das wären 357 Fußballfelder (siehe Kasten).

Laut Antrag von SPD und Grünen soll der Kreis schon mal eine Vorreiterrolle einnehmen – immerhin sind an Kreisstraßen 800 Einzelareale betroffen; das sind 33 Hektar. Dass die naturbelassenen Wegeränder immer schmaler werden, kann Hannelore Frick-Pohl bestätigen. »In freier Landschaft sieht man oft gar keine bewachsenen Seitenstreifen mehr. Weil hier aber die Natur ungestört wachsen kann, gehören sie zu den blütenreichsten Flächen. Sie sind oft trocken, aber nährstoffreich«, sagt die Agrarbiologin des Kreises.

Nur zweimal im Jahr würden die Wegeränder an den Kreisstraßen gemäht, so dass gerade Insekten viele Blüten vorfänden. »Auch die Reduzierung von grünen Wegestreifen hat mit dazu beigetragen, dass die Zahl der Insekten bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist«, erklärt Hannelore Frick-Pohl, die darauf hinweist, dass im Moment besonders die Flockenblumen am Straßenrand blühen. »Als Natur- und Lebensraum hat ein Straßenrand an der B 61 sicher keinen so hohen Stellenwert wie an einem Feldweg. Aber ein nicht so optimaler Grünstreifen ist immer noch besser als gar keiner«, sagt die Ökologin.

Der Antrag von SPD und Grünen soll jetzt im Kreistag am 1. Juli beraten werden. Die Fraktionen hoffen bei der Naturrückgewinnung auch auf die Unterstützung der Kommunen und des Landesbetriebs Straßen NRW. Die Forderung der beiden Parteien geht so weit, dass im Kreis eine ABM-Kraft eingestellt werden sollte, um den Verlust der Wegeränder konkret zu überprüfen und sie bei unbefugter Nutzung für die Natur zurückzugewinnen.

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